Natur- und Vogelschutz Verein Kilchberg

Projekt Delegiertenversammlung 2007


Am 10. März 2007 fand die Delegiertenversammlung des Zürcher Vogelschutz ZVS im reformierten Kirchgemeindehaus an der Stockenstrasse statt. Rund 150 Teilnehmer waren von der sehr gut organisierten Veranstaltung und dem schönen Saal begeistert. Als Gäste referierten Regierungsrätin Dr. Ursula Gut, Nationalrat Dr. Ruedi Aeschbacher sowie Gemeindepräsident Dr. H.U. Forrer.

Dank guter Planung und vielen Mitwirkenden konnte dieser Grossanlass ohne Probleme bewältigt werden. Die Delegierten und der Vorstand des ZVS waren von der guten Stimmung im schön dekorierten Saal begeistert. Dank Spenden der Gemeinde, der Firma Lindt & Sprüngli sowie von Privaten konnte der Anlass ohne finanziellen Aufwand realisiert werden. Einen herzlichen Dank allen Spendern und Sponsoren, der Gemeinde Kilchberg und allen Mitwirkenden.

Auszug aus dem Protokoll (nicht vollständig)

Begrüssung und Ansprachen

Kurz vor 10.00 Uhr eröffnet Robert Brunner, ZVS-Vorstandsmitglied und Kantonsrat, die Tagung. Er begrüsst als Gäste Regierungsrätin Ursula Gut, den Chef des Amts für Landschaft und Natur (ALN), Rolf Gerber, sowie den Präsidenten des Zürcher Bauernverbandes, Hans Staub.
Im Namen der Gastsektion NVV Kilchberg heisst dann deren Präsident, Martin Heusser (auch Vizepräsident des ZVS), Delegierte und Gäste willkommen in Kilchberg, vor allem bekannt als Sitz der Firma Lindt & Sprüngli (was u.a. in der appetitanregenden Tischdekoration zum Ausdruck kommt!). Anlass für die Durchführung der DV ist das 50-Jahr-Jubiläum des NVV Kilchberg, der etwa 120 Mitglieder zählt und 6-8 Veranstaltungen im Jahr durchführt. Das Gemeindegebiet ist sehr dicht besiedelt, so dass für Naturschutzobjekte nicht allzu viel Raum bleibt. Das wichtigste ist das Stockengut, ein gemeindeeigener Landwirtschaftsbetrieb, auf dem naturschützerische Ziele verfolgt werden. Daneben gibt es in Kilchberg ein LEK und einen Vernetzungsplan.
Gemeindepräsident Dr. H.-U. Forrer heisst dann seinerseits Delegierte und Gäste willkommen und freut sich über die erste DV des ZVS in Kilchberg. Er gibt einen √úberblick über Struktur, Bedeutung sowie wirtschaftliche und kulturelle Aspekte seiner Gemeinde. Er gratuliert dem NVV Kilchberg zu dessen Jubiläum und wünscht den Anwesenden eine erfreuliche Tagung, wozu er mit der Einladung zu einem von der Gemeinde offerierten Apéro einen passenden Beitrag leistet!
Moderator Robert Brunner verdankt diese Worte und die Einladung und begrüsst dann Baudirektorin Dr. Ursula Gut als oberste Naturschützerin des Kantons, der mit der Zusprache eines Kredits von 42,5 Mio Fr. für das Thurauen-Projekt ein fulminanter Einstieg ins Amt gelungen ist, so dass man gespannt ist auf das, was folgen wird. Regierungsrätin Gut dankt für die Einladung zu dieser Tagung; ihr persönlich ist Naturschutz wichtig, aber in der Baudirektion mit ihren vielfältigen Aufgaben gibt es oft widersprüchliche Interessen und Ansichten. Sie begrüsst die Tätigkeit privater Organisationen, von denen sie einige Vertreter am runden Tisch kennen gelernt hat, die - wie der ZVS - bis in die einzelnen Gemeinden wirken können. Die laufende Brutvogelkartierung bietet gute Möglichkeiten zur Dokumentation der Biodiversität; die finanzielle Unterstützung des ZVS durch die Regierung ist gerechtfertigt. - Die Ziele des Naturschutz-Gesamtkonzepts sind knapp zur Hälfte umgesetzt; weitere Anstrengungen sind dringend nötig. Der Naturschutz leistet einen bedeutenden Beitrag zur Lebensqualität. - Der Regierungsrat wird in Bälde dem Bund beantragen, drei zürcherische Naturschutzgebiete in die eidgenössische Verordnung zum Schutz wichtiger Wasser- und Zugvogelreservate (WZVV) aufzunehmen. Regierungsrätin Gut dankt dem ZVS ganz allgemein für seine Arbeit und wünscht seinen Mitgliedern weiterhin Erfolg und Befriedigung in ihrer Tätigkeit.
Robert Brunner verdankt auch diese Worte und leitet dann über zu den Fachreferaten des Vormittags.

Fachlicher Teil zum Thema Neophyten

Neophyten und ihre Bekämpfung im Kanton Zürich
Das Thema Neophyten ist zwar schon lange aktuell beim ZVS; im Vorjahr wurde es unter die Prioritäten eingereiht. Vermehrt wird es aber auch in der breiteren Öffentlichkeit als Problem wahrgenommen. Deshalb hat der Kanton vor kurzem eine besondere Fachstelle dafür eingerichtet, die Sektion Biosicherheit, die dem AWEL angegliedert ist. Deren Leiter, Dr. Daniel Fischer, referiert zunächst über: Ambrosia, Japanknöterich, Bärenklau & Co - Kantonale Strategie bei Arten, die im geplanten neuen Anhang 2.1. der Freisetzungsverordnung aufgeführt werden. Es geht um fünf verbotene Pflanzenarten (neben den im Titel genannten noch den Essigbaum und das Schmalblättrige Greiskraut) sowie den Asiatischen Marienkäfer, ferner um weitere 21 gebietsfremde Arten die zu überwachen sind. Es sind alles Arten, die invasiv sind, d.h. sich im neuen Lebensraum gut halten und sogar stark vermehren/verbreiten können. Konsequenzen können Gesundheitsschäden beim Menschen (Ambrosia!), Verdrängung einheimischer Arten (Biodiversitätsverlust), Schädigung von Bauwerken, Erschwerung der Bewirtschaftung u.a. sein. Behörden verschiedenster Ebenen (Bund, Kanton, Gemeinde) befassen sich deshalb mit der Problematik und haben dazu verschiedene Gremien und Projekte geschaffen. Wichtig ist, dass das Vorgehen auf die Eigenheiten der einzelnen Arten abgestimmt ist. Erste Voraussetzung zur Bekämpfung sind Kenntnisse über Vorkommen und Häufigkeit. Im Fall von Ambrosia wurde ein Netz von Beobachtern aufgebaut, die Daten über ein GIS-Meldesystem eingeben können. Ferner wurden gemeindeweise Verantwortliche ausgebildet (ähnlich wie beim Feuerbrand), die nach Bedarf an Ort und Stelle handeln können. Noch zu lösen ist das Problem der Zusammenarbeit mit Nachbarkantonen und -staaten. Der Japanknöterich (eigentlich sind es 2 Arten) ist besonders schwierig zu bekämpfen (lange Wurzeln u.a.); fast nur Herbizide sind längerfristig wirksam. Natürlich gibt es dabei verschiedenste Zielkonflikte (Trinkwasser, Naturschutz u.a.). Belastete Böden bilden ein besonderes Problem, da beim Transport von Aushub Teile der Pflanzen unerkannt an neue Orte verfrachtet werden können. Die beschränkten Ressourcen erfordern ein abwägendes Vorgehen und Prioritätensetzung. Alle Interessierten sind eingeladen, vor allem beim Suchen und Melden der involvierten Arten mitzumachen.
Dr. Eugen Temperli von der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich spricht anschliessend über: Goldrute und Drüsiges Springkraut - Freihaltekonzept, differenzierte Bekämpfungsstrategie. Im Unterschied zum vorherigen Referat geht es hier weniger um eine totale Bekämpfung, sondern darum, dass man ganz bestimmte Flächen von den unerwünschten Pflanzenarten freihalten will. Es sind Arten, die schon lange bei uns eingebürgert sind: 2 Goldrutenarten aus Nordamerika, seit dem 17./18. Jh. in Europa, und das Drüsige Springkraut aus dem Himalayagebiet, seit etwa 1900 in CH bekannt. Bei diesen ist es unrealistisch, sie ganz zum Verschwinden bringen zu wollen. Deshalb müssen Ziele formuliert und Flächen definiert werden, wo sie zu bekämpfen sind. Primäres Ziel ist die Erhaltung der ursprünglichen Biodiversität, die bei starker Ausbreitung der Neophyten bedroht ist. Ein Problem dabei ist die Kommunikation mit den anvisierten Akteuren (z.B. Gemeindebehörden und deren Angestellte): Während bei Ambrosia & Co. (noch) eine totale Ausrottung anvisiert wird, muss bei den hier betrachteten Arten differenziert vorgegangen werden, entsprechend den formulierten Zielen. Dabei geht es einerseits um die Entfernung bestehender Bestände in den definierten Zielflächen, anderseits darum, eine Neubesiedlung solcher Flächen zu verhindern. Für Letzteres sind gute Kenntnisse der Ausbreitungsmechanismen der betr. Arten notwendig. Die Goldruten z.B. produzieren sehr viele Samen, die mit Hilfe von Flughaaren durch die Luft verbreitet werden. Somit ist es nötig, an Standorten nahe bei freizuhaltenden Flächen die Samenbildung möglichst zu verhindern (z.B. durch Mähen). Die Samen des Drüsigen Springkrauts werden vor allem durch Fliessgewässer verbreitet. So erfordert seine Bekämpfung das Zurückverfolgen von Bächen, die durch freizuhaltende Flächen fliessen, und die Bekämpfung der Pflanzen in einem oft recht grossen Einzugsgebiet. Dies alles erfordert eine komplexe Kommunikation und Kooperation zwischen involvierten Personen und Stellen: Politische Einheiten (Gemeinden, Kantone), verschiedene Dienste (Bahn-, Strassenunterhalt, Forstdienst), Organisationen (Naturschutzvereine) und Individuen (Landwirte, Gartenbesitzer) etc. Last but not least ist eine geeignete Erfolgskontrolle nötig.
In der Diskussion wird u.a. der Verkauf der betr. Pflanzen (Bsp. Goldruten!) durch Gärtnereien, Grossverteiler etc. angesprochen In einem Fall konnte ZVS-Geschäftsführer Ernst Kistler die Rücknahme eines solchen Angebots bewirken! - Auch die Bedeutung von Presse und andern Medien zur Information der Bevölkerung wird hervorgehoben.
Die beiden Referenten erhalten, neben Dank und Applaus, je eine Flasche Hochstamm-Apfelschaumwein mit einer speziell für den Anlass kreierten Etikette mit einem Wendehals. Vor allem mit Bezug auf die beiden vorherigen Redner(innen) wird betont, dass dem keine politische Bedeutung beizumessen sei!

Anschliessend begeben sich die Teilnehmenden zum von der Gastgemeinde Kilchberg offerierten Apéro und nachher zum gemeinsamen Mittagessen im ansprechend dekorierten Saal.

Am Nachmittag folgte der statutarische Teil der Versammlung mit einigen kurzen Referaten
Christa Glauser, stv. Geschäftsführerin des SVS, dankt für die Möglichkeit zum direkten Kontakt mit der ZVS-Basis und orientiert über die Arbeit des SVS.
SVS-Präsident Ruedi Aeschbacher schliesst sich diesem Dank an und gratuliert dem ZVS zu den neu verabschiedeten politischen Richtlinien. Gerade unter politisch ungünstigen Rahmenbedingungen ist solche Arbeit sehr wichtig. In der nationalen Politik läuft zur Zeit Vieles, was Auswirkungen auf den Naturschutz hat. Um so wichtiger ist es, Volksvertreter zu wählen, die solchen Anliegen gegenüber aufgeschlossen sind bzw. die Anliegen gut zu verkaufen. Eine nationale Parlamentariergruppe versucht, in diesem Sinne zu wirken (Präsident Kurt Fluri, FDP/SO). Das beinhaltet viel Kleinarbeit und Einsatz. Demnächst wird, die Klima-Initiative lanciert, etwas später die Lebensraum-Initiative (s.o.). Das Verbandsbeschwerderecht kommt immer wieder unter Beschuss, auch wenn es seine Berechtigung vielfach bewiesen hat. Es ist deshalb wichtig, dass alle in ihrem persönlichen Umfeld aufmerksam beobachten und aktiv an politischen Prozessen mitwirken.